Digitale Kontakte zu Health Care Professionals – (k)eine Alternative zum Außendienst vor Ort?

Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass – bedingt durch die Corona Beschränkungen – digitale Kontakte einen größeren Anteil an der Kommunikation zwischen Industrie und HCPs haben im Vergleich mit dem persönlichen Gespräch der Pharmareferenten mit den Ärzten. Einige Kollegen aus dem pharmazeutischen Umfeld gehen soweit zu prognostizieren, dass mittelfristig der digitale Kontakt den klassischen Außendienstbesuch mehrheitlich ersetzen wird.

Möglicherweise wird das so sein, genau weiß das heute niemand. In jedem Fall wäre dies aber noch ein langer Weg, dem sowohl technische als auch rechtliche und psychologische Gründe entgegenstehen.

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Führung achtsam und wirksam?

Ein Interview mit Dr. Stefan Kiechle SJ

Anne Glöggler: Pater Kiechle, Sie sind Priester, promovierter Theologe, Buchautor und Jesuit. Sie hatten in Ihrem Orden mehrere Leitungsfunktionen inne und waren von 2010 bis 2017 auch Provinzial, also Chef des Ordens in Deutschland. Ganz aktuell haben Sie ein Buch über Führung geschrieben mit dem Titel „Achtsam und wirksam“. Wie ist das zu verstehen?

P. Stefan Kiechle: Diese beiden Adjektive drücken den Kern unseres jesuitischen Führungsverständnisses aus. „Achtsam“ heißt, dass ich die Menschen wirklich wahrnehme – die Menschen, die ich direkt führe, und die Menschen, für die ich weitere Verantwortung habe; dass ich diese Menschen in ihrer Würde wahrnehme, mit ihren Werten und Bedürfnissen, und gut mit ihnen umgehe. „Wirksam“ heißt, dass die Führung effektiv sein muss, denn es sollen ja Ergebnisse entstehen. Manchmal stehen die beiden Prinzipien „achtsam“ und „wirksam“ gegeneinander: Wenn man z. B. mit Mitarbeitern gut umgehen will und andererseits um der Wirksamkeit willen jemanden entlassen muss, dann gibt’s ein Problem. Das muss man ausgleichen und Wege finden.

Anne Glöggler: Inwiefern lassen sich Ihre Gedanken auf den Wirtschaftsbereich übertragen?

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„Life Science“ an Universitäten: Integre Führung unter chronischem Hochdruck

Die Rahmenbedingungen in der universitären Lehre und Forschung erschweren es, kooperative Teams zu bilden und zu führen:

  • Die Mitarbeitenden des akademischen Mittelbaues arbeiten oft in Kettenverträgen. Diese sind nach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz vorgeschrieben. Die einzelnen Arbeitsverträge sind meistens auf zwei bis drei Jahre befristet und können theoretisch bis zu zwölf Jahren dauern. Teilzeitbeschäftigungen verlängern die Höchstbefristungsdauer nicht.
  • Die Weiterbeschäftigung hängt formal an individuellen Erfolgen, wie zum Beispiel Promotion, Habilitation, Anzahl und Qualität der Publikationen, Einwerbung von Drittmitteln, Qualität der Lehre.
  • Die Entscheidung über die Weiterbeschäftigung treffen die Inhaber von Leitungsfunktionen persönlich. Ihre Entscheidungen sind wie die von Fußballschiedsrichtern kaum anfechtbar und liegen innerhalb weiter Grenzen im persönlichen Ermessen. Persönliche Disharmonien mit einem leitenden Wissenschaftler sind daher potenziell fatal; es besteht ein erheblicher Konformitätsdruck.
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Integre Führung: Ethisches Handeln von Vorgesetzten

Was passiert mit hochmotivierten Mitarbeitern, wenn die Vorgesetzten ihre Vorbildfunktion nicht wahrnehmen? Und wie lässt sich das vermeiden?

Die Situation

Eine junge Mitarbeiterin tritt voller Freude ihre neue Stelle als Junior-Marketingmanagerin an. Die Aufgabe gefällt ihr gut, sie stellt jedoch nach kurzer Zeit fest, dass ihre direkte Chefin offensichtlich nicht sehr gut mit ihrem Vorgesetzten, dem Marketingdirektor, zurechtkommt.

Einige Wochen später bestellt der Marketingdirektor die Juniormanagerin in sein Büro und äußert nach kurzem Vorgeplänkel, dass sie inzwischen ja wohl auch schon festgestellt hätte, welche Unzulänglichkeiten ihre direkte Vorgesetzte habe. Er würde sehr gerne konkrete Hinweise von der Juniormanagerin über Fehlverhalten jeglicher Art ihrer Vorgesetzten erhalten, um den Low-Performer-Prozess möglichst schnell beenden zu können. Wenn die Juniormanagerin ihm hierbei hilfreich zur Seite stünde, solle dies nicht zu ihrem Nachteil sein, denn dann würde ja bald eine entsprechende Stelle frei, die schnell wieder nachbesetzt werden müsse.

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Erfolgreiche Mitarbeiterführung

Ein Interview mit Prof. Dr.-Ing. Hartmut Hoffmann

Anne Glöggler: Herr Professor Hoffmann, Sie überblicken ja seit mehreren Jahrzehnten den universitären Wissenschaftsbereich, den Industriebereich und den Verwaltungs- bzw. politischen Bereich. Sie hatten in allen Bereichen Leitungsfunktionen. Welche Unterschiede haben Sie bezüglich der Mitarbeiterführung in diesen Bereichen beobachten können?

Hartmut Hoffmann: Da gibt es zwei Aspekte: wie es sein sollte und wie es ist. Die Führung von Mitarbeitenden sollte ethisch, menschlich, anständig, ehrlich und achtsam sein, und zwar überall. Leider ist es nicht so – oder man kann auch sagen – es ist noch nicht so. Hier jedoch nach Unterschieden zwischen Wissenschaft, Industrie und Verwaltung zu schauen, ist vielleicht nicht der richtige Ansatz.

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Die Führungskraft nur noch ein Coach?

Einige Autoren empfehlen heutigen Führungskräften, mehr Mentor und Coach ihrer Mitarbeitenden zu sein und weniger Chef. Um diese Empfehlung richtig einzuordnen, ist zuerst die Frage zu klären, was Führung eigentlich ausmacht.

Personalität und Funktionalität

Es gibt personale Führungskonzepte, zum Beispiel das Konzept der integren Führung, die den Menschen in den Fokus nehmen, und funktionale Konzepte, zum Beispiel das Konzept des Shareholder Values, die die Mitarbeitenden nur in einer bestimmten Funktion sehen.

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Umgang mit anderen Meinungen – eine Position

Die eigene Meinung offensiv zu vertreten, wird oft mit Durchsetzungskraft gleichgesetzt – ein Zeichen von Ich-Stärke. Eine Position zu einem Aspekt entwickelt zu haben, hat auch etwas mit intellektuellem Schafferstolz zu tun: Ich habe mich damit beschäftigt, mich mit vielen Meinungen auseinandergesetzt und dann letztendlich meine eigene Position formuliert: Das Ergebnis anspruchsvoller gedanklicher Arbeit, worauf man stolz sein darf.

Ringe um die Meinung des anderen

Wenn zwei Meinungen aufeinanderprallen und beide Personen von ihren Positionen sehr überzeugt sind, kann dies aber auch zu Konflikten führen, wenn hiermit nicht kooperativ umgegangen wird.

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Agile Führung – das Allheilmittel? Versuch einer Einordnung

Die Trainer- und Beraterszene ist eine Branche, die wie jede andere Branche auch eine Nachfrage benötigt. Gibt es nicht alle zwei Jahre ein neues Thema, ist die Branche arbeitslos. Kunden wollen zu aktuellen Themen trainiert und beraten werden. Das derzeitige Modethema heißt Agilität. Agiles Projektmanagement, agile Führung, agiles Lernen. Agilität heute und vor allem morgen für die Zeit mit und nach Corona. Wer nicht agil ist, ist out. Agilität bedeutet erst einmal Beweglichkeit. Die beiden Hauptcharakteristika agilen Handelns sind ein iteratives Vorgehen und kontinuierliche Optimierung.

Beweglichkeit in Kombination mit hoher Geschwindigkeit ist und war übrigens immer schon ein Erfolgsfaktor, wenn schnell und flexibel auf sich verändernde äußere Bedingungen reagiert werden musste. Erfolgreiche Firmen waren immer dann über viele Jahrzehnte erfolgreich, wenn sie kreativ waren und agil agierten.

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Umgang auf Augenhöhe – ein Zwischenruf

Augenhöhe ist ein Begriff, der derzeit viel diskutiert wird. Jeder möchte verständlicherweise, dass auf Augenhöhe mit ihm umgegangen wird. Bei Kursen zur Aufmerksamkeit, zur Achtsamkeit, zur gewaltfreien Kommunikation – überall taucht der Begriff Augenhöhe auf. Nur, was ist Augenhöhe eigentlich konkret? Zwei wichtige Aspekte hierzu: zum einen innere Haltung, zum anderen Kommunikation.

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