Erfolgreiche Mitarbeiterführung

Ein Interview mit Prof. Dr.-Ing. Hartmut Hoffmann

Anne Glöggler: Herr Professor Hoffmann, Sie überblicken ja seit mehreren Jahrzehnten den universitären Wissenschaftsbereich, den Industriebereich und den Verwaltungs- bzw. politischen Bereich. Sie hatten in allen Bereichen Leitungsfunktionen. Welche Unterschiede haben Sie bezüglich der Mitarbeiterführung in diesen Bereichen beobachten können?

Hartmut Hoffmann: Da gibt es zwei Aspekte: wie es sein sollte und wie es ist. Die Führung von Mitarbeitenden sollte ethisch, menschlich, anständig, ehrlich und achtsam sein, und zwar überall. Leider ist es nicht so – oder man kann auch sagen – es ist noch nicht so. Hier jedoch nach Unterschieden zwischen Wissenschaft, Industrie und Verwaltung zu schauen, ist vielleicht nicht der richtige Ansatz.

Denn es gibt in allen Bereichen, und zunehmend auch in der Industrie, Führungskräfte, die das unter ethischen Gesichtspunkten sehr gut und verantwortungsvoll handhaben. Und es gibt überall ebenso Gegenbeispiele – Führungskräfte, die ihrer Verantwortung nicht immer nachkommen. Vielleicht hat man im Hochschulbereich mehr Freiheiten und Möglichkeiten in der Art, wie man an seinem Institut mit den Mitarbeitenden umgeht und auch, welche Projekte man annimmt und welche nicht. Man ist hier nicht so unter dem Druck wie bei einem profitorientierten Industrieunternehmen.

Anne Glöggler: Welches Beispiel von sehr guter Führung hat Sie persönlich beeindruckt oder Sie selbst sogar geprägt?

Hartmut Hoffmann: Neben meiner Familie hat mich zunächst mein Doktorvater und späterer Geschäftsführer eines weltweit tätigen Unternehmens besonders geprägt. Ich war mehrere Jahre sein persönlicher Assistent und schätzte neben seinen außerordentlichen fachlichen Qualitäten seinen sehr menschlichen, verantwortungsbewussten und fairen Umgang mit den Mitarbeitern.

Des Weiteren hat der ehemalige Inhaber und spätere Vorsitzende des Aufsichtsrats dieses Unternehmens ein hervorragendes Führungsverhalten gezeigt und war damit auch ein Vorbild für mich, als er sich zum Beispiel in schwierigen Zeiten für die Firma dafür stark machte, dass alle Führungskräfte auf einen Teil ihrer Bezüge verzichteten. Er machte dies aber nicht als Goodwill- oder PR-Aktion, sondern aus einem ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl heraus. Sein Ziel dabei war, Mitarbeitende halten zu können und nicht entlassen zu müssen.  Er sah dabei nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch deren Familien, die davon betroffen gewesen wären. So ein Verhalten war in dieser Zeit als Firmenchef noch recht unüblich. Ihm war immer wichtig, Vorbild zu sein und dies vorzuleben, auch wenn es nicht immer einfach für ihn war.

Ein weiterer Mensch, der mich geprägt hat, war ein Unternehmensberater und Coach, der Philosophie, katholische Theologie und klassische Philologie studiert hatte. Ihm ging es immer um den Menschen, nicht um dessen Funktion.  Er war und ist immer noch eine Leitfigur für mich.

Anne Glöggler: Was halten Sie für die wichtigste Fähigkeit, die Führungskräfte beherrschen sollten?

Hartmut Hoffmann: Für mich sind Menschlichkeit und Ehrlichkeit ganz wichtig, ebenso Empathie und Gerechtigkeit – Empathie, die vom Herzen kommt, und Gerechtigkeit als ein eher messbarer Wert. Weiterhin wichtig sind für mich Achtsamkeit und dass man es als Führungskraft vermeidet, Schnellschüsse zu machen, vor allem wenn diese mit großer Tragweite verbunden sind.

Ein wichtiger Punkt für Führungskräfte ist es auch, authentisch zu sein. Das macht alles einfacher. Mein Motto war oft: „Mache Dein Hobby zum Beruf, dann brauchst Du nicht mehr arbeiten.“ Zur Authentizität gehört jedoch auch, die eigenen Grenzen und die eigene Persönlichkeit zu akzeptieren. Mir selbst zum Beispiel ist Harmonie sehr wichtig. Der Wunsch, dass alles harmonisch ablaufen soll, kann einem dann jedoch manchmal im Weg stehen und zur Belastung werden. Meinem beruflichen Werdegang und meiner persönlichen Zufriedenheit hat es allerdings selten geschadet.

Anne Glöggler: Sie hatten gerade beschrieben, was Ihnen persönlich besonders am Herzen liegt. Gibt es darüber hinaus noch etwas, was Sie Führungskräften mit auf den Weg geben möchten?

Hartmut Hoffmann: Ich habe mich als Leiter des Lehrstuhls und auch als Geschäftsführer vor allem als Manager im Wissenschaftsbetrieb gesehen. In dieser Funktion ist es unter anderem erforderlich, gute Ideen einzubringen, Projekte voranzutreiben, Patente anzumelden und Gelder für die Uni einzuwerben. Dafür ist eine Zielorientierung extrem wichtig, denn am Ende des Tages muss der Betrieb ja laufen; ob bei drittmittelgeförderten Forschungsprojekten oder in Kooperationen mit Industrieunternehmen. So zu agieren war für mich mit meinem Industrie-Background ganz logisch und der richtige Weg. Vielleicht noch ein Punkt, der mir immer wieder aufgefallen ist. Trotz aller Freiheiten im Unibereich ist es hier auch wichtig, dass es eine gewisse Ordnung gibt. Das beginnt unter anderem schon mit dem äußeren Auftreten des gesamten Teams, welches zu den Gesprächspartnern aus Wissenschaft, Industrie, Politik und Verbänden passen muss. Da war manchmal schon ein wenig Erziehungsarbeit erforderlich. Denn nur so wird man als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen und kann auch viel mehr bewirken. Ein immer wieder spannendes Thema.

Anne Glöggler: Herr Professor Hoffmann, haben Sie herzlichen Dank für dieses offene Gespräch.

Das Interview führte Dr. Anne Glöggler.

Autor/Autorin

Professor i.R. Dr.-Ing. Hartmut Hoffmann ist Emeritus of Excellence der TU München. Er war Professor und Dekan der FH Heilbronn, bevor er als Ordinarius für den Lehrstuhl Umformtechnik und Gießereiwesen der TU München berufen wurde. In der Industrie war er als Angestellter, Geschäftsführer und Aufsichtsrat tätig. Umfangreiche Beirats- und Gutachtertätigkeiten im In- und Ausland u.a. für die Deutsche Forschungsgemeinschaft, mehrere Bundesministerien, den Bundesgerichtshof in Karlsruhe und die Europäische Union runden sein Profil ab, ebenso ehrenamtliche Tätigkeiten.

Autor: Hartmut Hoffmann

Professor i.R. Dr.-Ing. Hartmut Hoffmann ist Emeritus of Excellence der TU München. Er war Professor und Dekan der FH Heilbronn, bevor er als Ordinarius für den Lehrstuhl Umformtechnik und Gießereiwesen der TU München berufen wurde. In der Industrie war er als Angestellter, Geschäftsführer und Aufsichtsrat tätig. Umfangreiche Beirats- und Gutachtertätigkeiten im In- und Ausland u.a. für die Deutsche Forschungsgemeinschaft, mehrere Bundesministerien, den Bundesgerichtshof in Karlsruhe und die Europäische Union runden sein Profil ab, ebenso ehrenamtliche Tätigkeiten.

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