Schule leiten in Zeiten von Corona

Achtsam und klar!

Die Corona-Pandemie belastet uns alle; im Arbeitsumfeld die Mitarbeiter/innen und auch die Führungskräfte sowohl von Unternehmen als auch von Schulen.

Viele sich teilweise widersprechende Regelungen und Verordnungen, die Notwendigkeit, diese den Betroffenen verständlich zu kommunizieren und deren konkrete Umsetzung sicherzustellen sind oft eine Herausforderung.  Die Nerven liegen blank. Wie können pädagogische Führungskräfte hiermit umgehen? Wie lässt sich integre Führung in unsicheren Zeiten praktizieren? Welche Haltung und welches Verhalten werden berechtigterweise von Schulleitungen erwartet?

Vier Prinzipien pädagogischen Führungshandelns erscheinen hier besonders wirksam:

Prinzip 1: Treffen Sie klare und unmissverständliche Entscheidungen!

Gerade in Zeiten der Unsicherheit ermöglichen klare und unmissverständliche Vorgaben die notwendige Klarheit und Orientierung für das schulische Handeln aller Beteiligten. Verordnungen und Anweisungen der Kultusbehörden geben häufig die wesentlichen Ziele vor.

Bei jeder Umsetzung von Vorgaben hat die Schule selbstverständlich ihren eigenen Spielraum. Dieser soll voll ausschöpft werden. Was für eine Entscheidung selbst gilt, ist auch für die Umsetzung empfehlenswert: maximale Transparenz und umfassende Kommunikation. So erhält man Akzeptanz.  Gerade die aktuellen Fragen benötigen eine breite Akzeptanz, da sie in ganz verschiedener Form in den Alltag vieler Menschen eingreifen: Wie organisiert man qualitativ hochwertigen Fernunterreicht? Welche Rolle haben hierbei die Eltern? Wie kann man die Kommunikation im Kollegium adäquat gestalten? Wie kommen innerschulische Entscheidungen zustande?

Prinzip 2: Hören Sie Ihren wirksamsten Kolleg*innen und Ihren „kritischen Freunden“ achtsam zu!

Entscheidungen, die den autonomen Handlungsspielraum einschränken, werden oft in Frage gestellt. Hier ist proaktives Führungshandeln unabdingbar.

Der erste Schritt ist es, Kolleginnen und Kollegen einzubeziehen. Orientieren Sie sich bei Ihren Entscheidungen an Ihren Leistungsträgern. Stellen Sie sich vor, wie diese entscheiden würden, oder noch besser: Fragen Sie sie danach. Leistungsträger*innen zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie das Wohl der gesamten Schule im Blick haben und in der Regel sehr differenziert reflektieren.

Hören Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen genau zu. Achten Sie auf Zwischentöne und Stimmungen, auf Gestik, Mimik und Emotionen Ihrer Gesprächspartner. Die Formen der Online-Kommunikation reduzieren den nonverbalen Anteil. Daher sind Konzentration und Aufmerksamkeit notwendig.

Beziehen Sie gerade auch die kritischen Geister bei schwierigen und folgenschweren Entscheidungen aktiv mit ein.

Prinzip 3: Nutzen Sie die Kompetenz Ihres gesamten Kollegiums!

Lassen Sie sich von Ihrem Kollegium unterstützen. Treffen Sie Entscheidungen bzgl. der digitalen Infrastruktur mit jenen Kolleg*innen, die Expertenwissen in diesem Bereich besitzen. Stimmen Sie Ihre Öffentlichkeitsarbeit, Ihre Rundbriefe mit jenen Kollegen ab, die ein besonderes Talent für klare, wertschätzende und eindeutige Formulierungen haben. Delegieren Sie klug!

Prinzip 4: Achten Sie auf sich und legen Sie hin und wieder eine „Atempause“ ein!

In Zeiten der Krise müssen Führungskräfte noch mehr auf sich achten als sonst. Nehmen Sie sich immer wieder eine kurze Auszeit, um Ihr schulisches Handeln und auch Ihr Wohlbefinden zu reflektieren:

  • Was ist mir persönlich wirklich wichtig?
  • Wie kann ich mich selbst entlasten und dennoch die vereinbarten Ziele erreichen?
  • Wie kann ich dauerhaft gesund und zufrieden bleiben?
  • Wie kann ich noch effektiver arbeiten?
  • Wann bin ich für andere erreichbar? Wie grenze ich mich ab?

Im Schulalltag finden wir häufig nicht die notwendige Ruhe, um Antworten auf Fragen wie diese zu finden. Dafür gibt es Auszeiten, Seminare und andere Formen. Siehe zum Beispiel auch den Onlinekurs: „Warum ist eine Atempause für Lehrerinnen und Lehrer wichtig?“ (https://aktiv.carsten-bangert.de)

Autor/Autorin

Carsten Bangert arbeitete sechs Jahre als Konrektor einer freien Internats- und Ganztagesschule. Seit 2011 leitet er eine große Realschule in Baden-Württemberg. Der studierte Realschullehrer arbeitet nebenberuflich als Autor (2019: Vertreib die Affen mit den Kieselsteinen. Impulse für Gesundheit und Zufriedenheit von Lehrerinnen und Lehrern; 2020 Was gute Lehrerinnen und Lehrer ausmacht. Und was wir von ihnen lernen können) und Referent. Seine Interessensschwerpunkte sind: Lehrergesundheit, Gesundheitsförderung und Wirksamkeit von Unterricht.

Autor: Carsten Bangert

Carsten Bangert arbeitete sechs Jahre als Konrektor einer freien Internats- und Ganztagesschule. Seit 2011 leitet er eine große Realschule in Baden-Württemberg. Der studierte Realschullehrer arbeitet nebenberuflich als Autor (2019: Vertreib die Affen mit den Kieselsteinen. Impulse für Gesundheit und Zufriedenheit von Lehrerinnen und Lehrern; 2020 Was gute Lehrerinnen und Lehrer ausmacht. Und was wir von ihnen lernen können) und Referent. Seine Interessensschwerpunkte sind: Lehrergesundheit, Gesundheitsförderung und Wirksamkeit von Unterricht.

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