Sind Bergsteiger die besseren Führungskräfte?

Bergsteiger und Führungskräfte haben viele Dinge gemeinsam. Unter anderem eine ausgeprägte Reflexion und eine gute Entscheidungstechnik.

Jein! Genauso gut könnte man fragen, ob Juristen, Ärzte oder Theologen die besseren Führungskräfte sind. In allen Berufen gibt es gute und nicht so gute Führungskräfte. Eine sinnvolle Frage wäre, was kann eine Führungskraft durch Bergsteigen für ihre Führungsarbeit lernen.

Gute Bergsteiger*innen erklimmen ja nicht nur hohe Gipfel und erreichen anspruchsvolle Ziele, sondern kommen vor allem wieder gesund zurück. Eine ganz wesentliche Eigenschaft guter Bergsteiger und Bergsteigerinnen ist daher eine ausgeprägte Reflexion und die Fähigkeit, klare Entscheidungen treffen zu können: Reichen mein technisches Können und meine Kondition aus, um weitergehen/klettern zu können oder drehe ich heute besser um und versuche es bei anderen Bedingungen (Wetter, Schnee etc.) oder nach besserer Vorbereitung erneut? Klare Entscheidungen können in den Bergen lebensrettend sein. Im beruflichen Kontext helfen sie, Kosten zu sparen und Demotivationen zu vermeiden. So werden falsche Strategien oder nicht zielführende Maßnahmen rechtzeitig erkannt und neue Wege können gefunden werden. Die selbstkritische und realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten – auch der Möglichkeiten der eigenen Abteilung – sollten Führungskräfte beherrschen.

Grundlage guter Entscheidungen: regelmäßige Reflexion

Wie kann man dahin kommen, wenn man nicht in die Berge geht? Empfehlenswert ist es, sich täglich 10 Minuten Zeit zu nehmen, um über das eigene Handeln in seiner Mitarbeiterführung, im Management und über die eigene Kommunikation nachzudenken. Hat man sich an diese tägliche „Auszeit“ einmal gewöhnt, werden sich diese 10 Minuten zu einer wertvollen Tagesaktivität entwickeln, die man nicht mehr missen möchte.

Entscheidungstechnik

Regelmäßiges Reflektieren ist sehr gut, aber nicht ausreichend. Neue Erkenntnisse müssen auch in konkretes Handeln transferiert werden: Was will ich zukünftig tun oder nicht mehr oder zusätzlich. Eine gute Entscheidungstechnik in drei Schritten kann hierbei helfen: Zuerst einmal lange und intensiv analysieren und verschiedene Optionen unterscheiden, d.h. neben der eigenen Reflexion zusätzliche Informationen und Hilfen suchen, auch die Meinung anderer anhören. Dann geeignete Kriterien verwenden und entscheiden. Als dritter Schritt folgt das konsequente Umsetzen. Jede Entscheidung für irgendetwas ist gleichzeitig auch eine Entscheidung gegen etwas anderes, was einem bisher unter Umständen sehr wichtig war. Daher darf jeder auch etwas traurig sein. Bergsteiger dürfen es bedauern, die geplante Tour nicht erfolgreich beendet zu haben. Im Beruf mag es schmerzvoll sein, die eigene Lieblingsstrategie zu den Akten legen zu müssen.

Gute Entscheidungen machen begründungssicher

Regelmäßige Reflexion und eine Entscheidungsstrategie nach dem Muster „Unterscheiden – Entscheiden – Umsetzen“ sind kluges Verhalten. Hinzu kommt noch ein Zusatznutzen. Nach reflektierten Entscheidungen ist man in der Regel begründungssicher und kommunikationsfähig – gegenüber Kollegen und Mitarbeitenden und selbstverständlich auch gegenüber sich selbst.

Autor/Autorin

Dr. Peter Hügelmeyer war viele Jahre Mitarbeiter, Führungskraft und Vice President in Industrieunternehmen. Seit 2004 ist er Geschäftsführer der Business School für Management & Vertrieb München BSM GmbH. Er arbeitet als Referent, Autor und Unternehmensberater sowie als Trainer und Moderator in den Bereichen Führung und Kommunikation. Seine Ausbildung absolvierte er in Bonn mit einer Promotion in Zellbiologie und an der Domschule Würzburg in Katholischer Theologie.

Autor: Peter Hügelmeyer

Dr. Peter Hügelmeyer war viele Jahre Mitarbeiter, Führungskraft und Vice President in Industrieunternehmen. Seit 2004 ist er Geschäftsführer der Business School für Management & Vertrieb München BSM GmbH. Er arbeitet als Referent, Autor und Unternehmensberater sowie als Trainer und Moderator in den Bereichen Führung und Kommunikation. Seine Ausbildung absolvierte er in Bonn mit einer Promotion in Zellbiologie und an der Domschule Würzburg in Katholischer Theologie.

Ein Gedanke zu „Sind Bergsteiger die besseren Führungskräfte?“

  1. Da ich selbst klettere und viel an Felsen und in den Bergen unterwegs bin, hat mich dieser Beitrag sehr angesprochen. Die Reflexion und die Fähigkeit klare Entscheidungen zu treffen ist in der Tat essenziell für Bergsteiger*innen – und eben auch für Führungskräfte. Für mich im Vordergrund steht hier die Reflexion über die Konsequenz einer Entscheidung, die man am Berg oft viel unmittelbarer vor Augen hat, und über die eigene Bereitschaft das damit verbundene Risiko auf sich zu nehmen.
    Dazu gehört auch, dass man miteinbezieht, was die Entscheidung für eventuelle Mitstreiter*innen bedeutet. Wie im Arbeitsleben ist man auch in den Bergen meistens im Team unterwegs und so trifft man wichtige Entscheidungen am besten gemeinsam.

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