Umgang auf Augenhöhe

Ein Zwischenruf

Augenhöhe ist ein Begriff, der derzeit viel diskutiert wird. Jeder möchte verständlicherweise, dass auf Augenhöhe mit ihm umgegangen wird. Bei Kursen zur Aufmerksamkeit, zur Achtsamkeit, zur gewaltfreien Kommunikation – überall taucht der Begriff Augenhöhe auf. Nur, was ist Augenhöhe eigentlich konkret? Zwei wichtige Aspekte hierzu: zum einen innere Haltung, zum anderen Kommunikation.

Innere Haltung

Bei der inneren Haltung geht es darum, welches Bild ich von anderen habe. Menschen sind – jeder auf seine eigene Art – einzigartig und damit auch unterschiedlich. Anders zu sein ist daher die Regel, nicht die Ausnahme. Anders zu sein, heißt nicht, besser oder schlechter zu sein. Einen anderen Menschen mit seinen Werten, Gefühlen und Vorstellungen zu respektieren, das gehört zur inneren Haltung. Ich muss seine Ansichten nicht teilen, ich muss sie nur respektieren.

Kommunikation

Augenhöhe

Beim Umgang auf Augenhöhe gibt es zwei kommunikative Ebenen: das Wahrnehmen und das aktive Kommunizieren.

Beim Wahrnehmen geht es vor allem um hören, sehen, fühlen. Das kann man üben. Ob man den anderen aber überhaupt verstehen möchte, ist wieder eine Frage der eigenen inneren Haltung. Lassen sich Haltung und Empathie als die Fähigkeit, sich in andere hineinversetzen zu können, überhaupt lernen? Die Psychologen streiten sich hier. Unbestreitbar ist allerdings, dass man über regelmäßige Reflexion und Meditation sich seiner eigenen Haltungen bewusst werden kann und diese auch dynamisieren kann. In welchem Umfang kann dies gelingen? Das ist unklar, weil jeder auch seine eigene Persönlichkeit besitzt mit Talenten, Fähigkeiten, aber eben auch mit seinen Schattenseiten – und leider auch seinen Grenzen.

Transaktionsanalyse

In der kommunikativen Praxis zum Umgang auf Augenhöhe kann man auf die Transaktionsanalyse aus den 1970er-Jahren zurückgreifen, ein Konzept, welches verschiedene ICH-Zustände beschreibt, in denen wir denken und kommunizieren. Das Kind-ICH, das Eltern-ICH, das Erwachsenen-ICH. Eine Kommunikation, die nicht auf Augenhöhe ist, wäre hier zum Beispiel die Kommunikation über das sogenannte Eltern-ICH, wenn der andere in seinem Kind-ICH angesprochen würde. Ich sage Dir (quasi als Vater oder Mutter), was gut und richtig für Dich ist. Eine solche Kommunikation geht von der dominanten Elternebene aus, wo auch moralische Normen gesetzt werden (Das tut man bei uns nicht!) und spricht die untergeordnete Kindebene an, wo dann zu gehorchen ist.

Empfehlungen

Wenn man sich im Umgang auf Augenhöhe weiterentwickeln möchte, gibt es drei Ebenen. Zuerst das Problem zu erkennen, danach Kommunikationen von oben nach unten zu unterlassen und im dritten Schritt positive gleichberechtigte Kommunikationen stärker zu verwenden. Der dritte Schritt setzt die beiden vorherigen voraus. Daher eine kleine Sammlung für die eigene kommunikative Streichliste aus dem Buch „Integrität in der Führung“ (Hügelmeyer und Glöggler 2020):

  • Deshalb sollten Sie das Projekt unbedingt so planen.
  • Ich empfehle Ihnen dringend, diese Methode nicht einzusetzen.
  • Unsere Schlussfolgerung: Man kommt heute nicht mehr daran vorbei. Dies ist ein obligatorischer Bestandteil eines modernen Vorgehens.
  • Ich gebe Ihnen den guten Rat, dies mehrfach und genau zu überprüfen.
  • Das haben Sie gut gemacht. Jetzt sollten Sie als nächsten Schritt so vorgehen.
  • Echte Gegenargumente kann es eigentlich nicht mehr geben.
  • Diese Erkenntnisse müssen bei jeder Planung berücksichtigt werden. Anderenfalls ist Ihr Erfolg gefährdet.

Viel Erfolg beim Umgang auf Augenhöhe mit Ihrer Umgebung!

Autor/Autorin

Dr. Anne Glöggler war Führungskraft in Marketing-, Vertriebs- und Medizinfunktionen pharmazeutischer Unternehmen. Danach war sie viele Jahre Geschäftsführerin eines medizinischen Fachverlages. Sie arbeitet als Moderatorin, Journalistin und Trainerin primär im Gesundheitsbereich. Sie ist promovierte Naturwissenschaftlerin und Journalistin.

Autor: Anne Glöggler

Dr. Anne Glöggler war Führungskraft in Marketing-, Vertriebs- und Medizinfunktionen pharmazeutischer Unternehmen. Danach war sie viele Jahre Geschäftsführerin eines medizinischen Fachverlages. Sie arbeitet als Moderatorin, Journalistin und Trainerin primär im Gesundheitsbereich. Sie ist promovierte Naturwissenschaftlerin und Journalistin.

Ein Gedanke zu „Umgang auf Augenhöhe“

  1. Augenhöhe ist meiner Meinung nach nicht nur ein wichtiges Thema in der Kommunikation in Unternehmen. Auch in der Arzt-Patienten-Kommunikation sollte man sich auf Augenhöhe begegnen, wenn das auch sicherlich nicht immer ganz einfach ist. Sehr interessant finde ich den Hinweis auf Ihrer Info-Hub-Seite zu dem Augenhöhe-Projekt.

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