Umgang mit anderen Meinungen – eine Position

Die eigene Meinung offensiv zu vertreten, wird oft mit Durchsetzungskraft gleichgesetzt – ein Zeichen von Ich-Stärke. Eine Position zu einem Aspekt entwickelt zu haben, hat auch etwas mit intellektuellem Schafferstolz zu tun: Ich habe mich damit beschäftigt, mich mit vielen Meinungen auseinandergesetzt und dann letztendlich meine eigene Position formuliert: Das Ergebnis anspruchsvoller gedanklicher Arbeit, worauf man stolz sein darf.

Ringe um die Meinung des anderen

Wenn zwei Meinungen aufeinanderprallen und beide Personen von ihren Positionen sehr überzeugt sind, kann dies aber auch zu Konflikten führen, wenn hiermit nicht kooperativ umgegangen wird.

Jeder Konflikt beginnt mit einer simplen Meinungsverschiedenheit. Hierzu eine Position von Ignatius von Loyola. Er lebte vor 450 Jahren, hatte keinen Zugang zu psychologischen Bibliotheken und war ein exzellenter Kenner der menschlichen Psyche – gelernt hat er aus Beobachtungen von sich selbst und von anderen Menschen. Er schrieb sinngemäß, dass jeder dazu bereit sein solle, die Aussage des anderen eher für glaubwürdig zu halten, als sie zu verurteilen. Prägnanter: Ringe um die Meinung des anderen, solange es eben geht.

Bei dieser Position geht es darum, dass nicht Wahrheit und Gewissheit verwechselt werden sollen. Wenn ich eine begründete Meinung habe und ich diese für zutreffend halte, kann dies jedoch bedeuten, dass aus einem anderen Blickwinkel, den ich bisher noch nicht berücksichtigt habe, möglicherweise die andere Sichtweise der Realität näherkommt als meine eigene. Ich kann nicht in Anspruch nehmen, die Wahrheit zu besitzen. Ich habe nur eine Gewissheit, hoffentlich auch eine begründete Gewissheit, aber eben nicht die endgültige Wahrheit. Diese Fähigkeit, Wahrheiten und Gewissheiten nicht zu verwechseln, hat etwas mit Zurückhaltung, auch mit sich selbst zurücknehmen können zu tun.

Meinungsänderungen sind ein Weg zur Klugheit

Es gibt einen weiteren Vorteil, wenn ich andere Meinungen annehmen kann: Dies ist der Weg schlechthin, um klüger zu werden. Wenn ich eine Meinung, von der ich bisher überzeugt war, über Bord werfe und gegen eine andere eintausche, die der Realität vielleicht näherkommt, bin ich klüger geworden. Ich habe meinen Horizont erweitert. Es ist ein Akt großer innerer persönlicher Freiheit, nicht an der eigenen Position festhalten zu müssen, sondern diese sogar auf den Prüfstein stellen und ggf. verwerfen zu können. Unter diesem Blickwinkel betrachtet sind politische Talkshows, wo Alphatiere und Platzhirsche unter Einsatz unterirdischer kommunikativer Techniken (Unterstellung, Lüge, Verdrehung, ins Wort fallen) aufeinanderprallen, einfach nur Demonstrationen großer geistiger Armut. Es ist gut zu überlegen, ob man als Zuschauer für solche Veranstaltungen persönliche Lebenszeit investieren möchte.

Fazit:

Wenn man eine andere Meinung annehmen kann, ist dies ein Zeichen von Größe. Vielleicht hat der andere eine andere Perspektive oder einfach nur tiefer nachgedacht. Seine eigene Meinung zu ändern, ist kein Zeichen von Schwäche. Man ist dadurch auch kein Fähnchen im Wind, sondern demonstriert ganz im Gegenteil persönliche Stärke. Und damit hat man auch noch einen Zusatznutzen: Weniger Konflikte mit seiner Umgebung.

Autor/Autorin

Dr. Peter Hügelmeyer war viele Jahre Mitarbeiter, Führungskraft und Vice President in Industrieunternehmen. Seit 2004 ist er Geschäftsführer der Business School für Management & Vertrieb München BSM GmbH. Er arbeitet als Referent, Autor und Unternehmensberater sowie als Trainer und Moderator in den Bereichen Führung und Kommunikation. Seine Ausbildung absolvierte er in Bonn mit einer Promotion in Zellbiologie und an der Domschule Würzburg in Katholischer Theologie.

Autor: Peter Hügelmeyer

Dr. Peter Hügelmeyer war viele Jahre Mitarbeiter, Führungskraft und Vice President in Industrieunternehmen. Seit 2004 ist er Geschäftsführer der Business School für Management & Vertrieb München BSM GmbH. Er arbeitet als Referent, Autor und Unternehmensberater sowie als Trainer und Moderator in den Bereichen Führung und Kommunikation. Seine Ausbildung absolvierte er in Bonn mit einer Promotion in Zellbiologie und an der Domschule Würzburg in Katholischer Theologie.

Ein Gedanke zu „Umgang mit anderen Meinungen – eine Position“

  1. Volle Zustimmung. Ich bin noch am Anfang , aber immer wenn ich mich auf die Sichtweise des Gegenübers einlassen konnte, habe ich davon profitiert.

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