Verantwortung

Verantwortung hat zwei Richtungen: Gegenüber dem Unternehmen und gegenüber den Mitarbeitenden.

Ich trage Verantwortung für zig Millionen Umsatz und habe Hunderte von Mitarbeitern. So oder so ähnlich hört man es oft von Führungskräften. Viele berauschen sich hier mit großen Zahlen. Nur, was heißt eigentlich „Ich trage Verantwortung“ und wie wird Verantwortung unter ethischen Gesichtspunkten gelebt –  vor allem jetzt in der Corona-Zeit?

Zwei Richtungen der Verantwortung 

Zum einen trägt eine Führungskraft Verantwortung gegenüber ihrer Organisation. Aufgaben im zugewiesenen Zuständigkeitsbereich sollen erfüllt werden, Dienstleistungen sollen erbracht werden, Ziele sollen erreicht werden und die Mitarbeitenden sollen kontinuierlich weiterentwickelt werden. Hierzu haben die Führungskräfte die „Macht“ erhalten, im gegebenen Rahmen ihren Zuständigkeitsbereich zu gestalten. Daher dürfen sie auch den berechtigten Anspruch haben, dass die Mitarbeitenden ihre Pflichten erfüllen und ihre Beiträge zum Gesamtergebnis leisten. Diese ist die eine Richtung der Führungsverantwortung. Mitarbeitende werden bezahlt, damit sie eine bestimmte Arbeit verrichten. Sie sind aber nicht primär für eine Organisation da und schon gar nicht sind sie „Eigentum“ des Chefs oder der Chefin und beliebige Verfügungsmasse. Auch sind Menschen keine Kostenfaktoren. Aus Sicht der Soziallehre sind Unternehmen von Menschen geschaffen, um einem gesellschaftlich relevanten Zweck zu dienen. Profit generieren und Arbeitsplätze schaffen sind ohne Zweifel wichtige Aufgaben, aber für sich allein nicht ausreichend legitimierend. Auch die Mafia schafft Arbeitsplätze. Unternehmen haben den Menschen und der Gesellschaft zu dienen – nicht umgekehrt. Aus diesen Gedanken folgt die zweite Richtung der Verantwortung. Es ist die ethische Verpflichtung, den eigenen Zuständigkeitsbereich so zu führen, dass die Organisation der Gesellschaft dienen kann (Stichwort Gemeinwohl) und das Produktionsprozesse und Abläufe nachhaltig organisiert werden. Als wichtigstes jedoch sind die beteiligten Menschen angemessen zu beteiligen (Stichworte Solidarität und Subsidiarität) und es soll ihnen die Möglichkeit gegeben werden, sich zu entwickeln und „zu wachsen“.

Konflikte

Es versteht sich fast von selbst, dass diese beiden Richtungen der Verantwortung manchmal gegeneinanderstehen können. Schwache Führungskräfte sehen auch hauptsächlich die Verantwortung bei ihren Mitarbeitenden und nicht die Verpflichtungen für sich selbst.

Ein Lösungsansatz

Um angemessen und professionell zu führen, müssen Führungskräfte die Techniken der Güterabwägung, der Unterscheidung und Entscheidung beherrschen. Auch die Fähigkeit zu priorisieren gehört hierzu. Bei Prioritäten gibt es immer auch Posterioritäten. Nicht Dinge zu tun, ist die Herausforderung. Bewusst Dinge zu lassen, ist die schwierige Übung. Dies muss man üben.

Autor/Autorin

Dr. Peter Hügelmeyer war viele Jahre Mitarbeiter, Führungskraft und Vice President in Industrieunternehmen. Seit 2004 ist er Geschäftsführer der Business School für Management & Vertrieb München BSM GmbH. Er arbeitet als Referent, Autor und Unternehmensberater sowie als Trainer und Moderator in den Bereichen Führung und Kommunikation. Seine Ausbildung absolvierte er in Bonn mit einer Promotion in Zellbiologie und an der Domschule Würzburg in Katholischer Theologie.

Autor: Peter Hügelmeyer

Dr. Peter Hügelmeyer war viele Jahre Mitarbeiter, Führungskraft und Vice President in Industrieunternehmen. Seit 2004 ist er Geschäftsführer der Business School für Management & Vertrieb München BSM GmbH. Er arbeitet als Referent, Autor und Unternehmensberater sowie als Trainer und Moderator in den Bereichen Führung und Kommunikation. Seine Ausbildung absolvierte er in Bonn mit einer Promotion in Zellbiologie und an der Domschule Würzburg in Katholischer Theologie.

Ein Gedanke zu „Verantwortung“

  1. Hallo Herr Hügelmeyer,

    Ihr Fazit ist exakt richtig. In meiner täglichen Praxis begegne ich immer wieder der Forderung nach Priorisierung. Dabei wird aber gerne vergessen, dass die Entscheidung FÜR ein Projekt bei knappen Ressourcen immer auch die Entscheidung GEGEN ein anderes ist.

    Problematisch wird es, wenn Entscheider nicht wissen, wogegen sie sich eigentlich entscheiden. Das wird nämlich auf vielen Management-Folien schlicht „vergessen“. Will sagen, verschwiegen. Gefährlich fürs Unternehmen!

    Beste Grüße
    Sven

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